Stellungnahme zum Gesetzesentwurf für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln

Der vorgelegte Referentenentwurf geht dezidiert auf den wichtigen Aspekt der Unabhängigkeit der deutschen Gesundheitspolitik ein. Die in Deutschland herrschende Preisbindung für verschreibungspflichtige Arzneimittel ist ein zentrales und geeignetes Instrument, damit alle Apotheken in Deutschland unter gleichen Rahmenbedingungen arbeiten. Diese gleichen Rahmenbedingungen haben bisher erfolgreich zu einer flächendeckenden Arzneimittelversorgung in Deutschland beigetragen und sind daher als schützenswert im Sinne der Patienten zu betrachten.

Der Bundesverband Patientenindividueller Arzneimittelverblisterer e.V. (BPAV) unterstützt den vorliegenden Referentenentwurf und begrüßt alle Maßnahmen, die sicherstellen, dass die Gesundheitspolitik und damit insbesondere auch die Preisgestaltung und der Vertrieb von Arzneimitteln in der nationalen Verantwortung bleiben. Die niedergelassene Apotheke vor Ort ist wichtiger Bestandteil für die Versorgung mit patientenindividuellen Arzneimitteln.

Die Arzneimittelversorgung von Patienten ist bis heute aber mangelhaft. Neben einer ausreichenden Anzahl von Apotheken in der Fläche  ist auch die Leistung der einfach zu erreichenden Apotheken Grundlage der Arzneimitteltherapiesicherheit, deren Grundlage wiederum der Gesamtprozess der patientenindividuellen Arzneimittelverblisterung (PAV) ist. Nur, wenn Fehlmedikationen von vornherein vermieden werden, schützt und hilft es den Patienten.

Zusammen erbringen die niedergelassenen Apotheken und die Blisterzentren diese hochwertige pharmazeutische Dienstleistung der PAV. Ohne die Apotheke vor Ort wäre diese Versorgungsart nicht möglich. Gleichwohl wird die PAV noch immer nicht entsprechend seitens der Kostenträger honoriert. In dieser Situation gar die Vergütung von Apotheken zu gefährden, die diese Dienstleistung zum Wohle der Patienten größtenteils selbst finanzieren, ist im höchsten Maße gesundheitspolitisch gefährlich, da es eher dazu führt, diese Dienstleistung einzustellen und damit das bisher schon niedrige Niveau der Arzneimitteltherapiesicherheit in Deutschland  mit ihren vielen zig Millionen vermeidbaren Medikationsfehler weiter sinkt.

Der Bundesverband Patientenindividueller Arzneimittelverblisterer setzt sich dafür ein, die Qualität in der Arzneimittelabgabe und damit der Arzneimitteltherapiesicherheit zu erhöhen, sowie die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen für patientenindividuelle Arzneimittelverblisterung zu schaffen. Vor diesem Hintergrund regen wir an, dass im Zuge der Begutachtung der Arzneimittelpreis-verordnung auch das Thema PAV berücksichtigt wird. Hier leisten viele Apotheken bereits heute einen wichtigen Beitrag, den es zu schützen und auszubauen gilt. Der Apotheker als Mitglied eines Heilberufes muss in die Lage versetzt werden, die Art der Arzneimittetherapie maßgeblich zu beeinflussen. Eine Beratung des Apothekers die zu einer Verbesserung der Compliance und Adherence führen würde und zu einer finanziell vermeidbaren Belastung des Patienten oder der am Medikationsabgabeprozess beteiligten Personen (z.B. Heime), kann nicht erfolgreich sein. Dies führt schon heute zur Beauftragung des billigsten Anbieters und nicht des Besten in der jeweiligen Situation. Dies wiederspricht dem selbstgesteckten Ziel des Gesundheitswesens, Patienten optimal zu versorgen. Die optimale Versorgung hat dann möglichst preiswert zu sein – nicht die billigste Versorgung optimal. Die Abgabe eines Arzneimittels ist nur ein geringer Bestandteil des Leistungsspektrums von Apotheken, der aber wesentlich zum wirtschaftlichen Erfolg beiträgt. Die Verbesserung der Gesundheit von Patienten ist maßgeblich von der korrekten Einnahme der Arzneimittel abhängig. Wer hier eine Verbesserung der Patientenversorgung wünscht, muß die PAV in die Normalversorgung der niedergelassenen Apotheken integrieren und entsprechend honorieren. Entsprechende Vorschläge hat der BPAV schon gemacht. 

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